Wohin geht's ab heute?

where to go from now / Diskussionsansätze (englisch/deutsch)


Gemeinhin wird gesagt: Wir befinden uns in einem Wertewandel.
Das ist falsch.
Der Wertewandel findet in uns statt.

Vor rund 100 Jahren verurteilte und bekämpfte eine zutiefst verknöcherte Gesellschaft jede Neuerung - und hatte damit unrecht. Und aus diesem Umstand nimmt man sich heutzutage das Recht, jede Kritik an künstlerischen Formen und Inhalten in Frage zu stellen und letztlich instrumentell ins Gegenteil zu verkehren: Offensichtlich will man aus der Vergangenheit den Schluss ziehen, daß alles Gute zuerst einmal angegriffen wird. Aufklärung und Demokratisierung aller Lebensbereiche hat zu einer Verunsicherung und Auflösung der oft nur scheinbar gemeinsamen Wertvorstellungen geführt und -- gesteuert von Hype und Marktinteressen -- zur konturlosen Anerkennung selbst dubioser Erscheinungen.

Wenn man nun ein unserer Zivilisation gemeinsames Ziel anerkennt, sollte man sich auch über den Weg einigen, obwohl es zu den tröstenden Gedanken zählt, daß selbst – oft auch erst recht – aus dem Chaos neue Ordnung und Brillianz entsteht. Unserem Genpool sei Dank.

Es ist aber trotzdem auf Dauer nicht zielführend (oder mit der Reinheit der Idee kulinarisch veträglich), den Operator des Mischpultes mit dem Komponisten eines Werkes gleichzusetzen. Oder den Stukkateur mit dem Architekten. Oder ein paar verbogene Kleiderbügel mit den Ideenwelten von Picabia. Den Redakteur eines Szenemagazins mit Immanuel Kant. Die meisten dieser Arbeiten haben zwar ihren Sinn und Stellenwert in der Gesellschaft, ihre unbewusste Konsumption führt jedoch ohne richtige Zuordnung zu Werteverlust und privater wie institutionellerVerwirrtheit. (Schon mal die mit öffentlichen Mitteln erworbenen, offenbar förderungswürdigen Kunstwerke in Beamtenzimmern näher betrachtet?)

Früher hat uns eine Hierarchie mitgeteilt, was richtig oder falsch, schön oder häßlich ist. Diese Rolle übernehmen in einer zunehmend differenzierter werdenden Gesellschaft Peer-Groups, Sparten-Magazine, Radiomoderatoren und Showmaster. Heute bleibt es uns nicht erspart, verantwortungsvoll mit den Möglichkeiten unserer Eigenbestimmung umzugehen und unser Denken und Wahrnehmen in die eigene Hand zu nehmen.

Als Konsument oder Produzent, als Publikum mit Ticket oder Käufer mit dem Kassenbon als Stimmzettel. Und es gilt Stellung zu beziehen. Gegen Gedankenlosigkeit, Opportunismus, Begriffsverwirrungen und kommerzielles Kalkül.


K r i t i k e n s a m m l u n g

Gebt die Stimmen zurück, Haider & Co!Vivienne Westwood (engl.)Britney Spears
"Wiener", Kruder & DorfmeisterWhere The Hell?Is This Faschism?

to be continued/beliebig fortsetzbar